Etwa 60 Frauen, Männer und Kinder, Flüchtlinge aus dem Isolationslager Meinersen und UnterstützerInnen aus Gifhorn und Umgebung, Braunschweig, Hannover und Hamburg versammelten sich am frühen Nachmittag vor dem Kreistagsgebäude. Vor dem Hintergrund des Todes von Shambu Lama, der unverändert negativen und aggressiven Haltung der Behörden und der Anfrage der Kreistagsfraktion von Bündis 90/Die Grünen im tagenden Sozialausschuss des Kreistags hatten die Flüchtlinge aus Meinersen zur Pressekonferenz und zum Protest vor den Toren des Gifhorner Schlosses gerufen.
Nurjana Ismailova und Nadine Tannenberg, die Mutter des Kindes von Shambu Lama, berichteten der zahlreich erschienen Presse über die grauenhaften Erfahrungen mit der Ausländerbehörde, Nurjanas und Nadines Rede findet ihr auf diesem Blog.
„Wir haben es satt, am Ende als Betrüger abgestempelt zu werden.
Verurteilte wissen wann sie entlassen werden, die haben eine bestimmte Zeit, die sie absitzen müssen, doch wir Asylbewerberinnen und Asylbewerber wissen NICHT wann wir aus diesem System, und von der Duldung wegkommen!! Mir kommt es vor, als ob ich eine lebenslange Strafe bekommen habe, obwohl ich keine Straftat begangen habe.“
Nurjana I.
„Ich stehe hier, weil ich möchte, dass die Wahrheit bekannt wird. Das bin ich meinem Sohn schuldig, und allen, die unter dieser Ausländerbehörde hier in Gifhorn ähnlich leiden müssen, wie Shambu es musste. Ich möchte, dass dieser tragische Selbstmord nicht umsonst war, ich möchte, dass keine weitere Familie einen Angehörigen auf diese tragische Weise verlieren muss, weil er psychisch so unter Druck steht, dass er diesen nicht weiter ertragen kann.“
Nadine T.
Danach ergreift Jamel, Familienvater und geflüchtet aus dem Kosovo vor der rassistischen Verfolgung gegen seine Volksgruppe Roma, das Wort. Seine Kinder sind in Deutschland geboren, er lebt mit seiner Familie seit 18! Jahren unter den entwürdigenden und destruktiven Lagerbedingugen. Vor allem für die Kinder ruft er alle anwesenden Menschen auf, sie in ihrem Kampf für Recht und Würde zu unterstützen.
Die Forderungen bleiben:
- sofortige Schließung des Lagers,
- Aufhebung des diskriminierenden und intransparenten Gutscheinsystems,
- Aufhebung des Arbeitsverbots – viele haben Arbeitsmöglichkeiten gefunden, aber die Erlaubnis wird verweigert, stattdessen werden Steuergelder aufgewendet, um ein repressives Ausgrenzungs- und Kontrollsystem den Menschen aufzuzwingen.
Aufgrund des tragischen Todes von Shambu Lama unterstreichen wir die Forderung nach einem gesicherten und dauerthaften Aufenthaltsrecht für alle Flüchtlinge im Landkreis Gifhorn. Das Hintertreiben seiner Aufenthaltsperspektive drückt die Grundhaltung der Behörde aus. Auch bei allen anderen Flüchtlingen, viele sind lange Zeit in Deutschland, kann man davon ausgehen, dass die Behörde immer alle Perspektiven und Möglichkeiten verbaut und manipuliert hat. Deshalb fordern wir ein generelles Aufenthaltsrecht.
Die kaltschnäuzigen Reaktionen nach Shambus Tod verdeutlichen, dass sie genauso weitermachen wollen. Deswegen muss die Behörde aufgrund ihrer offensichtlichen Inkompetenz und Bösartigkeit aufgelöst werden.
Die Verantwortlichen, die Shambu Lama getäuscht und letztendlich in den Tod getrieben haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Zur Anfrage der Grünen an die Kreisverwaltung, die zum Umgang des Landkreises Gifhorn mit den Flüchtlingen schriftlich Stellung nehme sollte, gab es auf der Sozialausschusssitzung weder seitens der Abgeordneten noch der Verwaltung irgendeine Äußerung oder sonst eine Reaktion. Es fühlte sich offensichtlich auch niemand der politisch Verantwortlich bemüßigt, ein Wort des Bedauerns über den tragischen Tod von Shambu Lama zu verlieren.
Wir danken allen solidarischen Menschen und rufen weiter zu größtmöglicher Unterstützung auf.
Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen
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