Offener Brief von solidarischen Menschen

– aus Gifhorn an die Bevölkerung
Dass sich am 01.03. ein vierzig-jähriger Mann hier in Gifhorn auf die Schienen gelegt hat, haben Sie vielleicht durch die Medien oder durch die Demonstration erfahren. Vielleicht wissen Sie auch, dass der Mensch Asylbewerber war und zuletzt im Flüchtlingsheim Meinersen gelebt hat.
Er floh vor 15 Jahren während des Bürgerkriegs in Nepal nach Deutschland und beantragte hier Asyl. Ihm erging es, wie vielen anderen Asylsuchenden auch: Sein Flüchtlingsstatus wurde nicht anerkannt, und nur das Fehlen seines Passes bewahrte ihn vor der Abschiebung nach Nepal. Kürzlich gelang es der hiesigen Ausländerbehörde Passersatzpapiere aus Nepal zu beschaffen. Am 03. März sollte er abgeschoben werden – nach 15 Jahren Versuch in Deutschland Aufnahme zu finden. Am 01. März beendete er sein Leben.
Wie kommt es dazu, dass sich ein Mensch eher umbringt, als in sein sogenanntes Heimatland zurückzukehren, obwohl er doch nicht als Verfolgter gilt?
Mal ganz abgesehen davon, wer überhaupt das Recht hat, darüber zu entscheiden, ob ein Mensch verfolgt wird, könnte es vielleicht daran liegen, dass der psychische Druck, der auf einem Menschen lastet, wenn er/sie

  • völlig isoliert vom gesellschaftlichen Leben am äußersten Rand eines Dorfgewerbegebiets, 14 km von Gifhorn entfernt, wohnen muss
  • sich mit bis zu drei anderen, meist fremden Personen, ein 20m² „großes“ Zimmer teilen muss
  • der Willkür von Heimleitung und Behörden schutzlos ausgeliefert ist,
  • in ständiger Angst lebt, in ein unsicheres Land abgeschoben zu werden; wenn private Briefe von der Heimleitung geöffnet werden und das Postgeheimnis nicht mehr gilt,
  • Geld nur in Form von Gutscheinen zur Verfügung steht, die nicht einmal für die allernötigsten Besorgungen reichen
  • und der Alltag extrem eintönig wahrgenommen wird, weil die Erlaubnis der Arbeitsaufnahme verweigert wird, selbst wenn jemand ein Einstellungsangebot vorweisen kann
  • die Duldung oft nur für ein paar Tage verlängert wird und die Ausländerbehörde ständig mit der Abschiebung droht.
  • die Erlaubnis zum vorübergehenden Verlassen des Landkreises nahezu immer verweigert wird

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Unabhängig davon, dass wahrscheinlich keine/r mit Sicherheit sagen kann, was den Menschen tatsächlich in den Tod trieb, steht für uns außer Frage, dass diese und andere Ungeheuerlichkeiten der dringenden Änderung bzw. Abschaffung bedürfen!

  • Bleiberecht für alle!
  • Weg mit den rassistischen Sondergesetzen!
  • Gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Flüchtlingen!
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