Monthly Archive for September, 2008

Wochenende in Lomé : waiting for Alpha Blondy – – ein Hafenbesuch oder vom anderen Ende der globalen Warenzirkulation

Teacherboy meldet sich nach etwa ‘ner Woche wieder zurueck. Nun, was war so los? Freitag vergangene Woche sind wir mit Ahmed, einem Verwandten der Familie Korodowou, bei der ich zur Zeit ein und ausgehe (Ahmed arbeitet als Minibus-Chauffeur) nach Lomé gefahren. Recht strange war fuer mich die Situation, dass im Mittelabteil des Busses 5 Leute dichtgedraengt aufeinander sassen, obwohl bei mir hinten noch massig Platz war und ich angeboten hatte, dass Leute nach hinten kommen koennen.

Am Samstag verbrachten wir geschlagene 8 Stunden damit, im Kegé-Stadion von Lomé auf den Auftritt von Alpha Blondy zu warten. Wiederholt dachten wir, dass es losgeht, aber dann kam doch wieder nur recht belangloses Entertainment-Vorgeplaenkel, das vor allem aus Werbe-Kaese fuer eine Fruchtsaftmarke bestand, die der Sponsor des Abends war. Nicht ungewoehnlich ist offenbar, dass Bullen gemeinsam mit Soldaten als Veranstaltungsordner auftreten – der Einsatz von Militaer im Inneren ist in Togo keine neuartige Verschaerfung staatlicher Repression, sondern schon lange alltaegliche Realitaet. Einige Soldaten gingen richtig aetzend auf einen Typen ab, der zu ihrem Missfallen eine Armeehose anhatte, was sie offenbar als sowas wie ‘ne Verunglimpfung ihrer hochheiligen Uniform deuteten : sie zogen dem Typen, nachdem sie ihn niedergeschlagen hatten, vor versammeltem Publikum die besagte Armeehose aus. Insgesamt waren bei dem Alpha Blondy-Konzert viel weniger Leute, als ich’s von dem Auftritt eines westafrikanischen Reggae-Stars erwartet hatte – Raouf und Bruno, mit denen ich unterwegs war, meinten, dass wegen der zunehmend beschissenen wirtschaftlichen Lage der meisten Leute einfach nicht viele das Geld fuer solche Spaesse uebrig haben.

Am Sonntag trafen wir uns mit einem, der vor ein paar Monaten aus Deutschland abgeschoben worden war – echt ein netter, cooler und fitter Typ. Mit ihm gemeinsam gingen wir am Montag in den Hafen von Lomé. Dort gibt es ein riesiges Areal, auf dem alle erdenklichen gebrauchten Geraete, Geraeteteile und Fahrzeuge, darunter vieles, was in Europa ueblicherweise weggeschmissen wird, vom Schiff weg angelandet, repariert und vertickt werden. Aehnliches gilt hier in Togo meinem Augenschein nach fuer alte Klamotten aus Europa. Zum anderen sind, nachdem, was mir unser Freund in Lomé erzaehlt hat, so manche Leute hier damit beschaeftigt, Metallschrott zu zerkloppen, der dann wieder nach China exportiert und dort zu Motorraedern verarbeitet wird, die unter anderem hierher verkauft werden. Der Handel mit Altwaren und Schrott – das andere Ende der globalen Warenzirkulation ?

AntiraSommerCamp und JOG

Das Camp ist leider ( oder vielleicht doch Gottseidank? ;) ) zuende, eigentlich auch schon seit einem Monat. Ich bin aber noch nicht vorher dazu gekommen etwas darüber zuschreiben. Ich glaube insgesamt war das Camp ziemlich cool, es gab natürlich auch ne Menge unerfreuliche Momente aber insgesamt war es ein Erfolg. Das tolle aber ist: JOG hat ganz schön gerockt. Es waren insgesamt 10 JOGler dabei, aber die sind vielen Leuten aufgefallen, und zwar positiv.

News from the transnational space Sokodé-Munich

Bin jetzt seit letzten Sonntag in Sokodé. Vorweg zur Info: Das Internet hier im Cyber-Café laeuft generell extrem langsam, in meine e-mails komm’ ich zum Teil gar nicht rein, und oefters mal reisst die Verbindung wegen fast taeglicher Stromausfaelle ab.

Zur Erklaerung, was es mit der Ueberschrift « Transnational Space Sokodé-Munich» auf sich hat: In migrationswissenschaftlichen Uni-Seminaren geht es ja oefters mal um sogenannte « transnationale Raeume », die durch Migration zwischen den Herkunfts- und Ziellaendern geschaffen werden. Nun, hier in Sokodé schaut’s ganz konkret so aus, dass ich taeglich Leute treffe, die entweder Angehoerige in Deutschland haben oder die selber schon mal in dort gelebt haben – es ist schon erstaunlich, wie viele Leute hier zumindest ein bisschen Deutsch koennen. Von den « Zurueckgekehrten » sind die wenigsten, mit denen ich gesprochen habe, freiwillig wieder hier, sondern sie wurden abgeschoben. Verdammte Scheisse! Einer war nach seiner Abschiebung erstmal laengere Zeit im Knast, ein anderer ist hier gar nicht mehr recht auf die Fuesse gekommen und psychisch durchgeknallt. Gleichzeitig trauemen viele junge Leute hier davon, in Deutschland studieren zu koennen – ich verbringe nicht wenig Zeit damit, hier mein Wissen ueber deutsches Migrations(verhinderungs)recht sowie meine leider noch viel zu rudimentaeren Kenntnisse ueber die Bedingungen fuer die Vergabe von StudentInnen-Visa zum besten zu geben.

Meine Fotosammlung von Antira-Aktionen der letzten Jahre, die die FreundInnen von JOG Muenchen netterweise fuer mich gemacht haben, ist hier ein grosser Renner. Die Leute finden’s voll super und ermutigend zu sehen, dass in Europa Leute wie wir gegen Abschiebungen und fuer Bleiberecht kaempfen. Zumal ja gerade auch einige Leute, die selber aus Sokodé kommen – insbesondere die « Association des Femmes Togolaises en Allemagne » – eine tragender Rolle in den muenchner Bleiberechtskaempfen gespielt haben. Ich hab’ auch schon einige Verwandte von togoischen FreundInnen aus Muenchen hier angetroffen.

Insgesammt sind einige Leute hier voll nett zu mir. Einer, der zur Zeit mit in dem Haus wohnt, wo ich untergebracht bin, hat sich jeden Tag drum gekuemmert, mich herumzufuehren, mir bei Erledigungen behilflich zu sein, drauf zu schauen, dass ich nicht unnoetig viel Geld loswerde (als weisser Europaer zahlt man mitunter schonmal einen Aufpreis, wenn man sich nicht auskennt…). Seit ich hier bin, wurde ich jeden Abend zum Essen eingeladen.

Vielerlei vermeintliche Selbstverstaendlichkeiten, die ich von zu Hause kenne, kann ich mir hier getrost abschminken: Das Vorhandensein von fliessendem Wasser und Klos mit Spuelung, die Moeglichkeit, von meinem deutschen Konto Geld abzuheben (Meinem Freund Matthias Weinzierl und Western Union sei Dank hab’ ich momentan trotzdem keine akuten Geldprobleme…), das Warenangebot eines Supermarktes, schnelle und jederzeit funktionierende Internetverbindung…

Der Beginn der Schule wurde uebrigens in Folge der Ueberschwemmungen um zwei Wochen nach hinten verschoben, das heisst, ich hab’ noch bis 6. Oktober frei.

Morgen fahre ich uebers Wochenende mit Leuten zum Alpha Blondy Konzert nach Lomé.

Erste Tage in Lomé

Erstmal: Was habe ich in Togo vor? Ich werde an der Schule „la Concorde“ in Sokodé, Zentraltogo, die naechsten 3 Monate als Deutsch- und Englischlehrer arbeiten. Den Kontakt habe ich durch Leute aus Togo, die ich von der „Karawane fuer die Rechte der Fluechtlinge und MigrantInnen“ und unseren gemeinsamen Kaempfen gegen Abschiebung und fuer Bleiberecht her kenne. Diese Leute haben die „la Concorde“-Schule in ihrer Heimatstadt Sokodé, ein nichtstaatliches Projekt, das groesstenteils auf der Grundlage ehrenamtlicher Arbeit und privater Spenden existiert, im Wesentlichen mit aufgebaut.

Meine Ankunft in Lomé war groesstenteils ok. Die Leute von der Schule haben mich am Flughafen abgeholt, mir ein Hotelzimmer reserviert und mich auch die naechtsten Tage begleitet und sich gekuemmert, dass ich gut versorgt bin. Ich finds auf jeden Fall gut, dass ich meinen Aufenthalt und meine Arbeit in Togo ueber direkten Kontakt mit engagierten Leuten von hier klargemacht habe und nicht ueber die ueblichen Mittlerinstitutionen (DAAD, Goetheinstitut, GTZ…). Mein groesstes, zum Glueck glimpflich geloestes, Problem hatte ich mit dem Flughafenzoll: Als ich mein Gepaeck, das mit zweitaegiger Verspaetung nachkam, abholte, hatten die Leute vom Gepaeckcheck was an Handys zu bemaengeln, die ich fuer Leute hier mitgebracht hatte und wollten mich zu den Zollbeamten schleppen – durch ein kleines „Geschenk“ liess sich das Problem abbuegeln, sonst waere es teuer geworden…

Nun, was gibt’s erstmal ueber Lomé zu erzaehlen? Ein einschlaegiger Eindruck, den die Stadt bei mir hinterlassen hat, sind die Leute, die mit allerlei kleinen Geschaeftchen am roedeln sind, um ueber die Runden zu kommen. Leute verticken alles moegliche an kleinen Staenden auf der Strasse oder einige auch mit Bauchladen: Autoersatzteilchen, Kippen, Telefonkarten, Benutzung eines Telefons, Tempotaschentuecher, Palmoelflaschen, Sprit, Obst, Essen… Irgendwie wirkt die Stadt auf mich wie ein riesiger geschaeftiger Marktplatz. Auf der Strasse sind massig Taxis und Motorradtaxis unterwegs. Manche Leute haben sich drauf spezialisiert, PassantInnen kleine, oft nicht ausdruecklich erbetene, Handreichungen anzudienen, z.B. ein Taxi heranwinken oder Gepaeck einladen helfen, und dafuer ein paar Francs CFA zu kassieren. Es ist offensichtlich, dass die meisten unter harten Bedingungen ums Ueberleben kaempfen, auch wenn das meist anders aussieht, als die in Europa gaengigen Klischees von krasser, sichtbarer Armut. Fehlendes Geld (nach dem, was mir gesagt wurde, lebt ein grosser Teil der Leute in Togo mit weniger als 1 Euro pro Tag), hohe Preise fuer alles Lebensnotwendige, inklusive medizinischer Versorgung, und kaputte Infrastruktur sind Themen, die immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalten habe, angesprochen worden sind. Ein grosses Aergernis sind auch die Bruecken zentraler Nord-Sued-Verbindungsstrassen, die vor einigen Wochen durch heftige Regenfaelle zerstoert wurden und noch nicht wieder aufgebaut sind, wodurch sich Transportkosten fuer landwirtschaftliche Produkte und in Folge davon wiederum die Lebensmittelpreise verteuert haben. Schick herausgeputzt sind vor allem grosse Kirchen (es gibt ueberhaupt allerlei Kirchen und Moscheen verschiedener Gross- und Kleinkonfessionen), das Goetheinstitut, Filialen von Banken und Mobilfunkgesellschaften.

Vor der US-Botschaft sind zur Zeit Leute am protestieren, die von den US-Einwanderungsbehoerden krass verarscht wurden: Ihnen werden die Einreisevisa in die USA verweigert, nachdem sie in einer Greencardlotterie gewonnen haben und die USA kurzerhand die Einreisemoeglichkeit auf Leute mit Abitur reduziert haben. Was da abgeht moechte ich mir unbedingt bei meinem naechsten Besuch in Lomé genauer anschauen. Der Traum, aus Togo wegzugehen, ist ueberhaupt fuer viele Leute ein grosses Thema, was fuer die StrategInnen der Migrationskontrolle und –verhinderung von Frontex und Co. Vermutlich nix neues ist.

Ich persoenlich hatte durchaus Spass in Lomé: hier ist in einigen Stadtvierteln Abends auf den Strassen fett was los: haufenweise Leute auf der Strasse, jede Menge los in den Bars, kein dran denken; dass sich irgendwer wegen Musikbeschallung ueber Ruhestoerung aufregen wuerde – unvergleichbar auf jeden Fall mit der geordneten Langeweile in Muenchen. Man kann durchaus ne Gaudi haben an den Abenden in Lomé, wobei viele Leute eher damit beschaeftigt sind, denen die Spass haben, was zu verkaufen.

Ich hab’ mich auch mit jemandem, den ich von der Karawane her kenne und der gerade in Lomé auf Familienbesuch war, getroffen. Ueber diesen Menschen hab ich auch verschiedene Leute, die im Haus seiner Family wohnen, kennengelernt. Wir sind auf der Partymeile herumgezogen. Einmal waren wir auch am Strand. Dort hats echt geile Wellen, die Leute haben mir aber dringlichst abgeraten, da reinzugehen. Die Leute waren ueberhaupt krass nett zu mir, haben sich Zeit genommen, mir die Stadt gezeigt und mich mit super Essen bewirtet.

Ziemlich zum Haare raufen finde ich als leidenschaftlicher Antikolonialist, dass bei vielen Leuten in Togo ein positiver Bezug auf die deutsche Kolonialzeit krass praesent ist. Mir fahren solche Situationen durchaus schraeg ein: Wenn mir Leute sagen, statt der Franzosen (die 1914 Togo besetzt haben) haetten lieber die Deutschen dableiben sollen, dann waere alles besser – und ich als Deutschnase kann dann meine Ablehnung des deutschen Kolonialismus kundtun. Mir ist durchaus bewusst, dass das Lob fuer die deutschen Kolonialisten nicht unwesentlich mit einer Abgrenzung gegen die spaetere Kolonialmacht und heutige Neokolonialmacht (u.a. langjaehrige Unterstuetzerin des Eyadema-Regimes) Frankreich zusammenhaengt, die bei vielen Leuten zurecht voellig unten durch ist. Teilweise uebt auch der Mythos “solider deutscher Wertarbeit” angesichts der allerorten kaputten Infrastruktur eine gewisse Faszination auf Leute aus. Bin mal durchaus auf weitere Diskussionen rund um dieses Thema gespannt.

Am Samstag war ich bei einem Meeting des Vereins von UnterstuetzerInnen und ehemaligen SchuelerInnen der „la Concorde“-Schule an der Uni von Lomé. Bei der Vorstellungsrunde erzaehlte ich kurz was ueber den Hintergrund meiner Reise und in diesem Zusammenhang auch ueber die Karawane, was einige sehr cool und interessant fanden. Auf die Nachfrage, ob wir Moeglichkeiten haben, Leute dabei zu unterstuetzen, in Deutschland zu studieren – was fuer viele ein grosses Ziel ist – konnte ich leider keine befriedigende Antwort geben.

Die naechsten Tage gibt es mehr zu Sokodé.

Erstmal: Was habe ich in Togo vor? Ich werde an der Schule „la Concorde“ in Sokodé, Zentraltogo, die naechsten 3 Monate als Deutsch- und Englischlehrer arbeiten. Den Kontakt habe ich durch Leute aus Togo, die ich von der „Karawane fuer die Rechte der Fluechtlinge und MigrantInnen“ und unseren gemeinsamen Kaempfen gegen Abschiebung und fuer Bleiberecht her kenne. Diese Leute haben die „la Concorde“-Schule in ihrer Heimatstadt Sokodé, ein nichtstaatliches Projekt, das groesstenteils auf der Grundlage ehrenamtlicher Arbeit und privater Spenden existiert, im Wesentlichen mit aufgebaut.

Meine Ankunft in Lomé war groesstenteils ok. Die Leute von der Schule haben mich am Flughafen abgeholt, mir ein Hotelzimmer reserviert und mich auch die naechtsten Tage begleitet und sich gekuemmert, dass ich gut versorgt bin. Ich finds auf jeden Fall gut, dass ich meinen Aufenthalt und meine Arbeit in Togo ueber direkten Kontakt mit engagierten Leuten von hier klargemacht habe und nicht ueber die ueblichen Mittlerinstitutionen (DAAD, Goetheinstitut, GTZ…). Mein groesstes, zum Glueck glimpflich geloestes, Problem hatte ich mit dem Flughafenzoll: Als ich mein Gepaeck, das mit zweitaegiger Verspaetung nachkam, abholte, hatten die Leute vom Gepaeckcheck was an Handys zu bemaengeln, die ich fuer Leute hier mitgebracht hatte und wollten mich zu den Zollbeamten schleppen – durch ein kleines „Geschenk“ liess sich das Problem abbuegeln, sonst waere es teuer geworden…

Nun, was gibt’s erstmal ueber Lomé zu erzaehlen? Ein einschlaegiger Eindruck, den die Stadt bei mir hinterlassen hat, sind die Leute, die mit allerlei kleinen Geschaeftchen am roedeln sind, um ueber die Runden zu kommen. Leute verticken alles moegliche an kleinen Staenden auf der Strasse oder einige auch mit Bauchladen: Autoersatzteilchen, Kippen, Telefonkarten, Benutzung eines Telefons, Tempotaschentuecher, Palmoelflaschen, Sprit, Obst, Essen… Irgendwie wirkt die Stadt auf mich wie ein riesiger geschaeftiger Marktplatz. Auf der Strasse sind massig Taxis und Motorradtaxis unterwegs. Manche Leute haben sich drauf spezialisiert, PassantInnen kleine, oft nicht ausdruecklich erbetene, Handreichungen anzudienen, z.B. ein Taxi heranwinken oder Gepaeck einladen helfen, und dafuer ein paar Francs CFA zu kassieren. Es ist offensichtlich, dass die meisten unter harten Bedingungen ums Ueberleben kaempfen, auch wenn das meist anders aussieht, als die in Europa gaengigen Klischees von krasser, sichtbarer Armut. Fehlendes Geld (nach dem, was mir gesagt wurde, lebt ein grosser Teil der Leute in Togo mit weniger als 1 Euro pro Tag), hohe Preise fuer alles Lebensnotwendige, inklusive medizinischer Versorgung, und kaputte Infrastruktur sind Themen, die immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalten habe, angesprochen worden sind. Ein grosses Aergernis sind auch die Bruecken zentraler Nord-Sued-Verbindungsstrassen, die vor einigen Wochen durch heftige Regenfaelle zerstoert wurden und noch nicht wieder aufgebaut sind, wodurch sich Transportkosten fuer landwirtschaftliche Produkte und in Folge davon wiederum die Lebensmittelpreise verteuert haben. Schick herausgeputzt sind vor allem grosse Kirchen (es gibt ueberhaupt allerlei Kirchen und Moscheen verschiedener Gross- und Kleinkonfessionen), das Goetheinstitut, Filialen von Banken und Mobilfunkgesellschaften.

Vor der US-Botschaft sind zur Zeit Leute am protestieren, die von den US-Einwanderungsbehoerden krass verarscht wurden: Ihnen werden die Einreisevisa in die USA verweigert, nachdem sie in einer Greencardlotterie gewonnen haben und die USA kurzerhand die Einreisemoeglichkeit auf Leute mit Abitur reduziert haben. Was da abgeht moechte ich mir unbedingt bei meinem naechsten Besuch in Lomé genauer anschauen. Der Traum, aus Togo wegzugehen, ist ueberhaupt fuer viele Leute ein grosses Thema, was fuer die StrategInnen der Migrationskontrolle und –verhinderung von Frontex und Co. Vermutlich nix neues ist.

Ich persoenlich hatte durchaus Spass in Lomé: hier ist in einigen Stadtvierteln Abends auf den Strassen fett was los: haufenweise Leute auf der Strasse, jede Menge los in den Bars, kein dran denken; dass sich irgendwer wegen Musikbeschallung ueber Ruhestoerung aufregen wuerde – unvergleichbar auf jeden Fall mit der geordneten Langeweile in Muenchen. Man kann durchaus ne Gaudi haben an den Abenden in Lomé, wobei viele Leute eher damit beschaeftigt sind, denen die Spass haben, was zu verkaufen.

Ich hab’ mich auch mit jemandem, den ich von der Karawane her kenne und der gerade in Lomé auf Familienbesuch war, getroffen. Ueber diesen Menschen hab ich auch verschiedene Leute, die im Haus seiner Family wohnen, kennengelernt. Wir sind auf der Partymeile herumgezogen. Einmal waren wir auch am Strand. Dort hats echt geile Wellen, die Leute haben mir aber dringlichst abgeraten, da reinzugehen. Die Leute waren ueberhaupt krass nett zu mir, haben sich Zeit genommen, mir die Stadt gezeigt und mich mit super Essen bewirtet.

Ziemlich zum Haare raufen finde ich als leidenschaftlicher Antikolonialist, dass bei vielen Leuten in Togo ein positiver Bezug auf die deutsche Kolonialzeit krass praesent ist. Mir fahren solche Situationen durchaus schraeg ein: Wenn mir Leute sagen, statt der Franzosen (die 1914 Togo besetzt haben) haetten lieber die Deutschen dableiben sollen, dann waere alles besser – und ich als Deutschnase kann dann meine Ablehnung des deutschen Kolonialismus kundtun. Mir ist durchaus bewusst, dass das Lob fuer die deutschen Kolonialisten nicht unwesentlich mit einer Abgrenzung gegen die spaetere Kolonialmacht und heutige Neokolonialmacht (u.a. langjaehrige Unterstuetzerin des Eyadema-Regimes) Frankreich zusammenhaengt, die bei vielen Leuten zurecht voellig unten durch ist. Teilweise uebt auch der Mythos “solider deutscher Wertarbeit” angesichts der allerorten kaputten Infrastruktur eine gewisse Faszination auf Leute aus. Bin mal durchaus auf weitere Diskussionen rund um dieses Thema gespannt.

Am Samstag war ich bei einem Meeting des Vereins von UnterstuetzerInnen und ehemaligen SchuelerInnen der „la Concorde“-Schule an der Uni von Lomé. Bei der Vorstellungsrunde erzaehlte ich kurz was ueber den Hintergrund meiner Reise und in diesem Zusammenhang auch ueber die Karawane, was einige sehr cool und interessant fanden. Auf die Nachfrage, ob wir Moeglichkeiten haben, Leute dabei zu unterstuetzen, in Deutschland zu studieren – was fuer viele ein grosses Ziel ist – konnte ich leider keine befriedigende Antwort geben.

Vor 2 Tagen bin ich nun von Lomé nach Sokodé gefahren, wobei wir wegen einer zerstoerten Bruecke auf eine provisorisch fuer Autos umfunktionierte Eisenbahnbruecke umgeleitet wurden, und sitze hier im Internet-Café. In dieser Stadt werde ich also die naechsten 3 Monate wohnen arbeiten.

Ich bin in Lome angekommen

Wollte nur kurz Bescheid geben dass ich gut in Lome angekommen bin.