JOG übergibt den negativ Preis an den Abschiebeminister 2017: Joachim Herrmann

Heute sind fünf Vertreter*innen von JoG zum Tagungsort der Frühjahrskonferenz der Innenminister gefahren. Ziel von dem Besuch war, den Koffer für den Abschiebeminister 2017 zu überreichen: Joachim Herrmann (Innenminister von Bayern).

Am Tagungsort der Innenminister angekommen mussten wir zuerst Sicherheitskontrollen durchlaufen. Joachim Herrmann konnte den Preis leider nicht selber entgegen nehmen und schickte an seiner Stelle einen Vertreter des sächsischen Innenministeriums. Wir haben den Koffer aufgemacht und ihm gezeigt was wir alles dadrinnen haben. In dem Koffer war unter anderem ein Flugticket nach Kabul für Joachim Herrmann. Der Koffer als Preis sthet symbolisch für die Situation so vieler geflüchteter Menschen, unter anderem viele Mitglieder von JOG, die hier in Deutschland sozusagen auf gepackten Koffern sitzten und nie wissen ob sie eine Zukunft in Deutschland haben.

JOG wünscht eine angenehme Reise!

JOG wünscht eine angenehme Reise!


In dem Koffer für den Abschiebeminister 2017 sind außerdem verschiedene Infomaterialien von JoG und anderen Kampagnen, und eine Botschaft an Herrn Herrmann, den gewählten Abschiebeminister aus Bayern.

Nach der Übergabe haben wir noch Interviews mit dem MDR geführt. Wir haben ihnen erzählt warum JOG immer eine Konferenz paralell zu den Inneministern veranstatlten und warum Joachim Herrmann den Preis erhalten hat.

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Jugendliche wählen Joachim Herrmann zum Abschiebeminister 2017

JoG – Pressemitteilung vom 13. Juni 2017

Am 13. Juni 2017 wurde Joachim Herrmann (Innenminister Bayern) im Rahmen eines Gala-Abends der Jugendlichen Ohne Grenzen (JoG) in Dresden zum Abschiebeminister 2017 gewählt. Mit 46,4 Prozent der Stimmen setzte er sich deutlich gegen die Innenminister Markus Ulbig aus Sachsen (30,1%), Ralf Jäger aus NRW (16,4%), Peter Beuth aus Hessen (5,5%) und Thomas Strobl aus Baden-Württemberg (1,4%) durch.

Den Preis übergeben junge Flüchtlinge am Mittwoch, den 13.06.2017 um 10 Uhr im Rahmen eines Termins bei der Innenministerkonferenz in Dresden. Der Preis wird seit 2006 jeweils an den Innenminister verliehen, der für eine besonders harte Abschiebungspraxis steht.

„Als seien die Abschiebungen nicht genug setzt sich Joachim Herrmann jetzt auch noch für Sammelabschiebungen in den Irak ein“ erklärte Nelli Foumba Soumaoro, Sprecher von Jugendliche ohne Grenzen auf der parallel zur IMK stattfindenden JoG-Konferenz in Dresden. “Zudem werden in Manching und Bamberg Flüchtlinge in Ausreiseeinrichtungen gezwungen und Kinder vom Regelschulbesuch ferngehalten. Der Negativpreis ist daher mehr als verdient”.

Parallel zur Wahl des Abschiebeministers wurde der Initiativenpreis 2017 für die Unterstützung junger Flüchtlinge verliehen.

Den Initiativenpreis 2017 erhielten:

– Berufliche Schule 11 (Nürnberg) – für die Courage der Schülerinnen und Lehrkräfte als der Schüler Asef N. nach Afghanistan abgeschoben werden sollte.

– Initiativkreis: Menschen.Würdig (Leipzig) – für das Engagement für junge Flüchtlinge und gegen Rassismus.

– „Steinbart-Familie“ (Duisburg) – für das Engagement für eine Rückkehr der 14-jährigen Schülerin Bivsi, die aus dem Unterricht heraus abgeschoben wurde.

Über eine Berichtserstattung und Ihre Teilnahme bei der Preisübergabe würden wir uns freuen.

Nelli Foumba Soumaoro | Jugendliche ohne Grenzen | Mobil: 0172-2888938 | E-Mail: presse@jogspace.net

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Petition: Bivsi Rana : 14-jährige Gymnasiastin aus Duisburg soll mit Familie bleiben !

Hier kommt ihr direkt zur Petition der “Familie Steinbart” auf Cange.org. Wir wollen alle unterschreiben und helfen das Bivsi und ihre Familie zurückkommen kann.

Ein kurzes Telefonat und sogleich stehen die Beamten der Duisburger Ausländerbehörde im Direktionszimmer des Steinbart-Gymnasums, um die 14-jährige Schülerin der 9d mitten aus dem Unterricht holen zu lassen….

“Emotionales Trümmerfeld: 14-jähriges Mädchen wird aus Schulstunde geholt und nach Nepal abgeschoben

Eine 14-Jährige ist während des Unterrichts an einem Duisburger Gymnasium von Mitarbeitern der Ausländerbehörde abgeholt und anschließend mit ihren Eltern nach Nepal abgeschoben worden.
Die Familie wurde nach der Abholung am Montag zum Frankfurter Flughafen gebracht und dort der Bundespolizei übergeben, wie eine Sprecherin der Stadt Duisburg am Mittwoch sagte. Noch am Montagabend hätten die Eltern und ihre Tochter das Land mit einem Flieger verlassen. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet.

Wie die “WAZ” berichtet, reagierte das Mädchen geschockt auf die Abschiebung. Sie soll in Tränen ausgebrochen sein. Nach Auskunft des Schulleiters Ralf Buchtal musste sogar ein Arzt gerufen werden. Ein Pfarrer und ein Religionslehrer hätten sich um die ebenfalls schockierten Mitschüler des Mädchens gekümmert. Buchtal selbst reagierte auf den Fall mit Empörung. “Schule muss ein Schutzraum für Kinder sein”, sagte er gegenüber der “WAZ”. “Niemand darf hier solch ein emotionales Trümmerfeld anrichten.”

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Presseerklärung vom 12. Juni 2017

Presseerklärung vom 12. Juni 2017
Dresden: Einladung zur Gala von Jugendliche ohne Grenzen am Dienstag, 13.06. um 18 Uhr und zur Wahl zum „Abschiebeminister des Jahres“

Am morgigen Dienstag, den 13.06. findet im Theaterhaus Rudi (Fechnerstraße 2A, 01139 Dresden) um 18 Uhr die diesjährige Gala von Jugendliche ohne Grenzen (JoG) statt. Auf der Gala wird traditionell auch der „Abschiebeminister des Jahres“ gewählt – ein Negativpreis, mit dem aus Sicht der Jugendlichen der Innenminister ausgezeichnet wird, der im vergangenen Jahr für die unmenschlichste Abschiebepolitik verantwortlich war. In diesem Jahr sind nominiert:

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann
Hessens Innenminister Peter Beuth
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger
Sachsens Innenminister Markus Ulbig

Die Gala ist der Höhepunkt der diesjährigen Konferenz von JoG, zu der seit Samstag 70 geflüchtete Jugendliche aus dem ganzen Bundesgebiet zusammengekommen sind, um ihre Forderungen nach Bleiberecht, Teilhabe und besseren Bildungsmöglichkeiten an die Innenministerkonferenz (IMK) zu richten.

„Die Innenminister reden immer viel von Integration, gleichzeitig sind sie aber dafür verantwortlich, dass wir keine Chance auf Bildung und Teilhabe bekommen und viele von uns ständig von Abschiebung bedroht sind“ erklärte Nelli Foumba, Sprecher von JoG, in Dresden. „Wir fordern ein Bleiberecht für alle und gleiche soziale Rechte, weil auch wir Teil dieser Gesellschaft sind!“

Am gestrigen Sonntag protestierten bereits 700 Personen gemeinsam mit JoG auf einer Demonstration gegen die heute beginnende IMK. Hauptforderungen waren ein sofortiger Abschiebungsstopp nach Afghanistan, Zugang zu Sprachkursen und Bildungsmöglichkeiten für alle Flüchtlinge und ein Ende der Desintegrationspolitik.

JoG organisiert seit 2005 jedes Jahr eigene Konferenzen parallel zur IMK, um den Innenministern die eigene Sicht der jungen Flüchtlinge entgegenzusetzen.

Neben der Gala findet morgen um 10:30 Uhr beim Paritätischer Wohlfahrtsverband Sachsen (Am Brauhaus 8, 01099 Dresden) eine Pressekonferenz von JoG gemeinsam mit Pro Asyl, dem Sächsischen Flüchtlingsrat und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen statt.

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Dokumentation 2016

JOG Saarbrücken 2016

JOG Saarbrücken 2016

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JOG Konferenz 2017 in Dresden

Perspektiven statt Des-Integrations-Politik!
Jugendkonferenz und Aktionsprogram der Jugendlichen ohne Grenzen | Dresden | 11. bis 14. Juni 2017

  • PDF: Plakat JOG Konferenz 2017 in Dresden
  • PDF: Flyer JOG Konferenz 2017 in Dresden

Die kurze Zeit der Willkommenskultur hat nichts daran geändert, dass in Deutschland nach wie vor viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene Flüchtlinge von Abschiebung bedroht sind. Das bedeutet ständige Angst und Unsicherheit.

Die Grundlagen der deutschen Asylpolitik bilden weiter Abschreckung und Ausgrenzung. Verbesserungen im Bereich der Asylpolitik, die hart erkämpft wurden, werden zunichte gemacht. Während die Solidaritätsstrukturen mit und für Geflüchtete sich etablieren, wird die Abschiebepraxis von der Regierung massiv ausgeweitet, indem Ende letzten Jahres mit Charter-Abschiebungen nach Afghanistan begonnen wurde. Einige Bundesländer haben sich angesichts der Menschenrechtslage gegen Abschiebungen entschieden, aber sie sind in der Minderheit. Parallel werden die Menschen gedrängt, der sog. „freiwilligen Rückkehr“ zuzustimmen und die Zahl der Dublin-Abschiebungen erhöht sich.

Während tausende Ehrenamtliche sich darum bemühen, Flüchtlingen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, die Sprache zu vermitteln und Schutzsuchende willkommen zu heißen, fährt die Regierungskoalition ein Des-Integrationsprogramm. Arbeits- und Ausbildungsverbote für geduldete Flüchtlinge – längerer Aufenthalt in den Erstaufnahmelagern ohne Schulbesuch für Kinder – dauerhafte Kasernierung von Asylsuchenden, die Fingerabdrücke in einem anderen EU-Land haben sowie für die, die aus angeblich sicheren Herkunftsstaaten stammen- Sachleistungen statt Bargeld für Personen in Erstaufnahmeeinrichtungen – keine Ankündigung von Abschiebungen – Ausweitung der Residenzpflicht: Verbote den Landkreis oder das Bundesland zu verlassen.
Das bittere Ergebnis: Zehntausende Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, werden dauerhaft in Flüchtlingslagern isoliert, an Teilhabe und Integration gehindert und müssen Arbeits- und Ausbildungsstellen verlassen.

Je näher die Bundestagswahlen rücken, desto schärfer wird die Stimmung gegen Migrant*innen und Geflüchtete. De Maiziere versucht – mal wieder! – auf dem Rücken der Geflüchteten Politik zu machen. Dieser Populismus befeuert die Neid-Debatte von Pegida & Co und bereitet den Nährboden für die weitere Zunahme rassistischer Hetze und Gewalt gegen Flüchtlinge.

Wir stellen uns dagegen. Statt Abschreckungspolitik brauchen wir Unterstützung für die Schutzsuchenden. Wir brauchen legale Reisewege, damit keine Menschen mehr im Mittelmeer sterben. Der Zugang zu gleichen sozialen Rechten muss für alle gewährleistet werden.

Wir wollen ein Europa und eine Welt ohne Grenzen, in der alle frei entscheiden können, wohin sie gehen und wo sie bleiben – dies darf nicht nur für einige wenige gelten, die durch ihre Staatsangehörigkeit privilegiert sind.

Wir „Jugendliche ohne Grenzen“ laden Euch alle zu der Demonstration unter dem Motto: „Perspektiven statt Des-Integrationspolitik“ ein
Kommt alle zur Demo, am 11.06.2017 um 16 Uhr am Theaterplatz in Dresden

WIR FORDERN:

  • Bedingungsloses Bleiberecht für ALLE!
  • Chancengleichheit bei Bildung, Ausbildung und Arbeit!
  • Die Abschaffung ALLER ausgrenzenden Gesetze und Regelungen, wie z.B. Residenzpflicht, Asylbewerberleistungsgesetz und Lagerunterbringung!
  • Abschaffung der Dublin-Verordnung!
  • Abschaffung der Abschiebehaft!
  • Die Legalisierung von Menschen ohne Papiere!
  • Legale Zugangswege in die EU schaffen
  • Vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention für Flüchtlingskinder – auch in der Praxis!
  • Das Recht für unsere abgeschobenen Freunde und Freundinnen, in ihre Heimat Deutschland zurückzukehren!

Termine

  • Demonstration: 11.06.2017 um 16 Uhr am Theaterplatz in Dresden
  • Gala – Wahl des Abschiebeministern, Auszeichnung ehrenamtlicher Initiativen: 13.6.2017, 18 Uhr Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2A, 01139 Dresden

JOG

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„Die denken wir sind wie ein Ball, die spielen einfach mit uns“

Hava von Jugendliche ohne Grenzen (JoG) Berlin kämpft dafür in Deutschland zu bleiben, nachdem ihre Familie bereits abgeschoben wurde und sie von einer Abschiebung bedroht ist: „Ich bin seit 2014 in Deutschland. Meine Familie ist im Mai abgeschoben worden. Und jetzt bin ich hier alleine“.

Als ihre Familie ohne Ankündigung abgeschoben wurde, war die 16-jährige Hava nicht zuhause. Trotz der brutalen Trennung von ihren Eltern und Geschwistern will Hava weiter in Berlin bleiben. Hier hat sie ihren Lebensmittelpunkt und eine Perspektive für ihre Zukunft. Hava ist aktiv bei verschiedenen Theaterprojekten sowie in einem Mädchenladen und spielt Fußball beim Moabiter FSV. Eine Rückkehr in den Kosovo kann sie sich nur schwer vorstellen: „Ich habe auch meine Muttersprache vergessen, man kann die vielleicht wieder lernen, aber ich finde, wenn ich zurückgehe, ist es nicht schön für mich, weil ich darf nicht mit Kopftuch zur Schule gehen. Ich kann meine Zukunft hier ändern und meine Ziele erreichen.“

Neben ihren vielen anderen Aktivitäten engagiert sich Hava auch bei Jugendliche ohne Grenzen, wo sie neue Freunde gefunden hat: „Als meine Familie abgeschoben worden ist, finde ich JoG wie eine neue Familie für mich“. Mit JoG setzt sich Hava ein für Chancengleichheit bei Bildung, Ausbildung und Arbeit und die Abschaffung ausgrenzender Gesetze und Regelungen. Die deutschen Innenminister, die sich Ende November parallel zur JoG-Konferenz in Saarbrücken getroffen haben, würden die Anliegen der jugendlichen Flüchtlinge nicht berücksichtigen: „Die denken wir sind wie ein Ball, die spielen einfach mit uns. Die entscheiden und die wissen gar nichts über uns. Die sollen mit uns reden, und wenn die wissen was wir haben und was wir wollen, könnten sie vielleicht besser Entscheidungen treffen.“

Jugendliche ohne Grenzen und andere Gruppen hatten im letzten Jahr eine Petition gestartet, damit Hava in Berlin bleiben kann und nicht abgeschoben wird. Wenige Tage nach der JoG-Konferenz kommt dann die freudige Nachricht: Die Aufenthaltsgenehmigung für Hava wurde bewilligt. Durch ihren Mut, viel Unterstützung und über 40.000 Unterschriften für ihre Petition hat Hava es geschafft, ihr Bleiberecht zu erkämpfen.

Bleiberecht für Hava! Bedingungsloses Bleiberecht für ALLE!

Die Geschichte von Hava ist der vierte und letzte Teil einer Serie, in der Jugendliche ohne Grenzen von ihrer Situation und ihren Forderungen erzählen.

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„Ich war von der Residenzpflicht betroffen und jetzt von der Wohnsitzauflage“

Ali von Jugendliche ohne Grenzen (JoG) Sachsen ist seit 5 Jahren in Deutschland und sein Asylverfahren ist immer noch nicht abgeschlossen. Er konnte keine richtige Schule besuchen und wurde durch die Sondergesetze für Flüchtlinge von vielen anderen Teilhabemöglichkeiten ausgeschlossen: „Ich war von der Residenzflicht betroffen, weil ich 20 Kilometer entfernt von der Stadt, wo ich gelebt habe, die Chance hatte einen Deutschkurs zu besuchen. Das ging halt nicht, weil ich Residenzpflicht hatte.“ Durch die vielen Asylrechtsverschärfungen hat sich die Situation für ihn verschlechtert. „Bei diesen Gesetzänderungen betrifft mich immer ein Teil davon und dadurch verliere ich meine Chancen, obwohl ich seit 5 Jahren hier bin.“

Mit der neuesten Asylrechtsverschärfung durch das sogenannte Integrationsgesetz ist Ali vor allem durch die Wohnsitzauflage betroffen. „Ich bin jetzt in Sachsen, und wenn ich keine Ausbildung in Sachsen bekomme, aber woanders Möglichkeiten habe, dann geht es einfach nicht, dass ich dort hingehe. Zum Beispiel hätte ich letztes Jahr eine Ausbildung in Thüringen anfangen können, aber jetzt nicht mehr, weil ich von der Wohnsitzauflage betroffen bin.“ Zwar ist Ali im Juni als Flüchtling anerkannt worden, aber er wartet immer noch auf eine Antwort durch die Ausländerbehörde, weshalb er auch in diesem Jahr keine Ausbildung anfangen konnte. Es sei ein großer Nachteil, wenn man zwar einen Platz in Aussicht hat, dann aber Arbeitgeber sehen, dass selbst nach 5 Jahren der Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist. „Ich hatte viele Chancen, dass ich eine Ausbildung bekommen kann, aber das ging einfach nicht.“ Durch die vielen verlorenen Chancen verlieren Jugendliche wie Ali ihre Zukunftsperspektive: „Ich bin schon seit 5 Jahren hier und ich kann wirklich bis jetzt nicht richtig planen, was ich wirklich will, und dadurch erlaubt es mir die Situation auch nicht, mich hier frei zu fühlen“

Mit JoG setzt Ali sich dafür ein „dass alle Flüchtlinge gleichberechtigt werden.“ Es werde gesagt, dass Flüchtlinge sich integrieren müssen und zugleich wird es ihnen durch die Gesetzesänderungen immer schwerer gemacht. Außerdem fordert Ali mit JoG einen sofortigen Stopp der Abschiebungen und kritisiert, dass in der letzten Zeit immer mehr Abschiebungen stattfinden – jetzt sogar nach Afghanistan. „In Afghanistan gibt es, wie jeder weiß, jeden Tag Explosionen. Und das ist einfach nicht in Ordnung, dass die abgeschoben werden.“ Wenn Ali einen der Innenminister treffen würde, würde er sagen „Was erwarten sie zum Beispiel von mir, das ich 5 Jahre hier bin. Und dass ich versuche mich zu integrieren und dass ich immer wieder von den Gesetzen betroffen werde. Und dass sie wissen, dass ich hier bleiben werde und dass ich immer wieder die Chance verliere. Das was sie von uns erwarten, müssen sie uns auch geben, das was wir erreichen wollen oder müssen.“

Die Geschichte von Ali ist der dritte Teil einer Serie, in der Jugendliche ohne Grenzen von ihrer Situation und ihren Forderungen erzählen.

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„Wir sind keine Zahl, wir sind Menschen“

Gladis von Jugendliche ohne Grenzen (JoG) Nordrhein-Westfahlen lebt schon seit 9 Jahren mit unsicherem Aufenthalt in Deutschland. Er hat nur eine Duldung, obwohl er schon so lange hier ist. „Aber ich bin vielleicht einer der wenigen, die eine Chance zum Studieren haben, weil ich auch Realschule und Gymnasium wiederholen musste. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, um meine Zeit gut zu nutzen. Und es hat sich auch gelohnt.“ Nun hat er aber Schwierigkeiten, sein Informatik-Studium fortzusetzen. Durch eine der vielen, in den vergangenen zwei Jahren beschlossenen Gesetzesverschärfungen hat er keinen Anspruch mehr auf BAföG oder sonstige Unterstützung.

Ausgehend von seiner Erfahrung, fast 10 Jahre in Deutschland zu leben, ohne ein Bleiberecht zu bekommen, fordert Gladis mit JoG die Abschaffung von Kettenduldungen. „Mit Duldung hat man hier keine Möglichkeiten, außer wenn wir selber kämpfen, was hier ganz schwer ist. Wir sind in einem demokratischen Land, aber die Geduldeten haben keine Freiheit, keine freie Meinung und sie sind in diesem demokratischen Land einfach vergessen“. Die Verfahren von Geduldeten und allen Flüchtlingen sollten gut bearbeitet werden, wobei es wichtig sei, ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben sich zu beschäftigen. „Das heißt die Schule zu besuchen, Integration und so weiter – das normale Leben, wie alle Menschen.“ Zwar seien gesetzliche Regelungen beschlossen worden, die den „gut Integrierten“ einen Aufenthalt erlauben, aber die Betroffenen haben kaum Möglichkeiten teilzuhaben, um diese Regelungen in Anspruch nehmen zu können. Deshalb tritt Gladis dafür ein, dass alle auch tatsächlich eine Chance bekommen sollten, sich gut zu integrieren.

In Bezug auf die Konferenz der Innenminister, auf der diese all jährlich über Flüchtlinge entscheiden, betont Gladis als JoG-Sprecher in Düsseldorf ihre eigene Entscheidung den „Abschiebeminister des Jahres“ zu wählen, um so die Abschiebungen zu kritisieren. „Ich sehe das so, die Innenminister treffen sich hier, um die Abschiebezahlen zu erhöhen, wie in NRW, die wollen das verdoppeln. Wir sind keine Zahl, wir sind Menschen.“ Mit den anderen jugendlichen Flüchtlingen fordert Gladis daher einen sofortigen Abschiebestopp.

Die Geschichte von Gladis ist der zweite Teil einer Serie, in der Jugendliche ohne Grenzen von ihrer Situation und ihren Forderungen erzählen.

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„Gelegenheit und Hoffnung, um ihr Leben hier fortzusetzen“

Mohammed Faisal Aleefi von Jugendliche ohne Grenzen (JoG) Baden-Württemberg ist vor anderthalb Jahren aus Kabul nach Deutschland geflohen. Wie viele andere Jugendliche aus Afghanistan durfte er während seines Asylverfahrens ein Jahr lang keinen Integrationskurs machen und nicht studieren.

Es sei sehr frustrierend, dass Jugendliche ihre Bildung und Arbeitserfahrungen in Deutschland nicht oder nur sehr schwer fortsetzen könnten. „Viele Jugendliche haben eine sehr gute Ausbildung oder eine hohe Bildung durch Universitäten. Dies wollen sie gerne in Deutschland fortsetzen und nicht ihre Zeit totschlagen. Aber unglücklicherweise gibt es hierzu kaum Möglichkeit oder sie müssen lange Zeit warten“. Ebenso könnten die Jugendlichen ihre professionelle Berufserfahrung nur schwer fortsetzen und einbringen: „Leute aus den verschiedensten Ländern, wie zum Beispiel Afghanistan, sind Ärzte, Ingenieure oder bringen andere Fähigkeiten mit. Es gibt aber keinen Ansatz, dass sie ihre Erfahrung einbringen können – für sich selbst, ihre Familie und die Gemeinschaft in der sie in Deutschland leben“. Er selbst habe einen Bachelor-Abschluss und über 5 Jahre Berufserfahrung, wobei er in Afghanistan unter anderem mit der EU zusammengearbeitet habe. Nun möchte er seine Erfahrung und Bildung fortsetzen.

Wenn Faisal einen der Innenminister treffen würde, würde er einen sofortigen Abschiebestopp verlangen: “Stoppt die Abschiebungen von Flüchtlingen, gebt ihnen Hoffnung und die Möglichkeit für ihre Rechte zu kämpfen um hier zu bleiben. Denn die Flüchtlinge sind hier, einige sind sehr talentiert und erfahren. Sie brauchen nur die Gelegenheit und Hoffnung, um ihr Leben hier fortzusetzen“.

Die Geschichte von Mohammed Faisal Aleefi ist der erste Teil einer Serie, in der Jugendliche ohne Grenzen von ihrer Situation und ihren Forderungen erzählen.

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